
Dr. Gerd Körner
Hintergrund
Die Sofortimplantation (Immediate Implant Placement, IIP) ist bei parodontal kompromittierten Zähnen aufgrund bestehender Hart- und Weichgewebsdefizite sowie der postextraktiven Resorption mit einer eingeschränkten Vorhersagbarkeit ästhetischer Ergebnisse verbunden. Der aktuelle wissenschaftliche Konsens definiert daher klare Limitationen für diese Behandlungsform.
Methode
Die Socket Rebuilding Technique (SRT) kombiniert parodontal-regenerative Verfahren mit modernen Techniken der Hart- und Weichgewebsaugmentation. Ziel ist die biologische Rekonstruktion der Extraktionsalveole, um stabile anatomische und biologische Voraussetzungen für eine Sofortimplantation zu schaffen und die bestehenden Indikationsgrenzen zu erweitern.
Ergebnis:Klinische Ergebnisse zeigen, dass die SRT die Indikation für die Sofortimplantation auch in komplexen parodontalen Defektsituationen erweitert. Gleichzeitig können stabile funktionelle und ästhetische Langzeitergebnisse erzielt werden
Prof. Dr. Arndt Happe
„Facially Driven Implant Esthetics" – Interdisziplinäres Zusammenspiel von Chirurgie und Prothetik für eine ästhetische und stabile periimplantäre Gewebearchitektur.
Die implantatgetragene Rehabilitation im Oberkiefer-Frontzahnbereich zählt zu den anspruchsvollsten Disziplinen der modernen Zahnmedizin. Neben einer erfolgreichen Gewebeintegration entscheidet insbesondere die langfristige Stabilität von Hart- und Weichgewebe über den ästhetischen Erfolg und die Patientenzufriedenheit. Voraussetzung hierfür ist ein umfassendes Verständnis biologischer, chirurgischer und prothetischer Einflussfaktoren sowie deren konsequente Integration in ein interdisziplinäres Behandlungskonzept.
Am Beginn jeder Therapie steht eine systematische ästhetische und funktionelle Analyse sowie die Beurteilung von Hart- und Weichgewebe. Moderne digitale Workflows und zentralisierte Planungsplattformen wie z.B. SmileCloud ermöglichen eine patientenspezifische Visualisierung des Behandlungsziels und fördern die Kommunikation zwischen Behandlern, Zahntechniker und Patient. Im Sinne eines „facially driven treatment planning“ wird die dreidimensionale Implantatposition ausgehend vom gewünschten ästhetischen Endergebnis geplant und chirurgisch umgesetzt.
Für den langfristigen Erfolg ist neben der Implantatposition insbesondere die Qualität und Stabilität des parodontalen Phänotyps entscheidend. Mikrochirurgische Techniken des Hart- und Weichgewebemanagements sowie ein prothetisch gesteuertes Tissue Management tragen wesentlich zur Entwicklung harmonischer Gewebeprofile und einer stabilen periimplantären Gewebeintegration bei. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Ausbildung einer langfristig stabilen suprakrestalen Gewebeanlagerung als biologischer Grundlage nachhaltiger Ästhetik.
Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass neben dem individuellen Gewebemorphotyp auch restaurative Faktoren die Lage des krestalen Knochens sowie Volumen, Kontur und Stabilität der periimplantären Weichgewebe beeinflussen können. Im Fokus stehen dabei das Design der transmukosalen Komponente (emergence angle), die Gestaltung der Verschiedenen Bereiche des Abutments, die Auswahl von Titanbasen, sowie die Implantat-Abutment-Verbindung. Die transmukosale Zone wird dabei zunehmend als biologisches Interface verstanden, das wesentlich zur Langzeitstabilität periimplantärer Gewebe beiträgt.
Anhand aktueller wissenschaftlicher Evidenz und klinischer Fallbeispiele werden praxiserprobte Behandlungskonzepte vorgestellt, die eine vorhersagbare Funktion, stabile periimplantäre Gewebe und langfristig natürliche Ästhetik ermöglichen.
Ziel des Vortrags ist die Vermittlung klinisch relevanter Strategien für die erfolgreiche Versorgung anspruchsvoller Patienten im ästhetisch sensiblen Frontzahnbereich.